Vor-Frühling



Das Grauen der Allergiker hat begonnen. 
Im phänologischen Jahreskreis befinden wir uns in der Phase des Vorfrühlings. Angezeigt wird dieser durch die männliche stäubende Blüte der Hasel. Die  weibliche lässt noch etwas auf sich warten, aber ich schätze, innerhalb der nächsten zwei Wochen ist es soweit. 
Die Hasel ist seit jeher ein Symbol für Lebenskraft und Liebesfruchtbarkeit. Ihr wird die Macht zur Weisheit, zur Wunscherfüllung und zur Unsterblichkeit zugeschrieben. Letzteres können wir im Märchen von Aschenputtel erkennen, die sich einen Haselzweig wünscht. Auf das Grab ihrer Mutter gesetzt, dient er als Verbinder zum Reich der Ahnen. Um Haus und Hof gesetzt, sollte sie die Menschen vor Blitzschlag und negativen Einflüssen beschützen.
In der Volksheilkunde nutzte man die Kätzchen als ersten Energie- und Proteinlieferanten nach dem Winter. Die stoffwechselanregende, fiebersenkende und schweißtreibende Wirkung half begleitend in der noch erkältungsreichen Zeit. 

Auf meinem Naturgang gestern nahm ich mir ein paar wenige Kätzchen mit nach Hause für einen ersten Energie-Tee.  
Gewarnt seien alle, die auf die Hasel allergisch reagieren. Der Gebrauch innerlich kann starke Schübe auslösen!

Andere Pflanzen im Vorfrühling sind außerdem das Schneeglöckchen, die Weide und die Erle. Letztere fasziniert mich immer wieder sehr, seien es die festen dunklen Kätzchen oder die kleinen schwarzen Früchte der Erle. Diese sind zu Beginn grün und werden zunehmend braun. Im Herbst entlässt die Erle daraus ihre Samen in die Welt. Heruntergefallene, sogenannte Zapfen werden aufgesammelt und können in einem Färbersud ausgekocht werden, der sehr schöne Brauntöne ergibt. 
Am magischsten jedoch finde ich die Signatur des Baumes. Keiner wagt sich so tief in die Sümpfe hinein wie sie. Dieser Standort und die Tatsache, daß die Erde zu bluten scheint, wenn eine Erle gefällt wird, machte sie den Menschen unheimlich. Im Volksglauben war sie ein Hexenbaum und in ihrer Nähe spukten Dämonen und Irrlichter. Wasser und Erlen gehören zusammen. Aufgrund der Beschaffenheit ihres Holzes stehen wohl noch heute einige Häuser in Venedig und Alt-Amsterdam auf Erlenstämmen.

Auch von ihren noch geschlossenen Blütenständen nahm ich eine Handvoll mit, um sie zu Erlenpfeffer zu verarbeiten. 


Am Bach naschte ich etwas Brunnenkresse, deren Schärfe meine Augen tränen ließ und machte mich auf den Heimweg. Die Grünkraftkräuter spitzen zum Teil schon hervor, aber intuitiv sammle ich noch nicht. Es ist noch zu früh. 

Diesen Artikel möchte ich gleichzeitig auch zum Anlaß nehmen, auf die bevorstehenden Kräutergänge hinzuweisen. Ich werde ab März mit den Wanderungen beginnen, die den Fokus auf Frühjahrs- und Entgiftungskuren haben. Im Laufe des vergangenen Kräuterjahres habe ich ein vermehrtes Interesse an dieser Thematik beobachtet.  
Es wird feste Termine an den Wochenenden geben wie gehabt, allerdings ohne Verkostungsangebot.  Dadurch wird der Preis günstiger und die Wanderung beschränkt sich auf 1,5 bis max. zwei Stunden. Sollte ein Kräutergang mit anschließender Verkostung gewünscht werden, meldet das bitte gesondert an.  Die Kontaktdaten findet ihr auf der Homepage. Auch innerhalb der Woche sind Wanderungen jederzeit möglich bei Voranmeldung. 

Ich danke dir, daß du bis hierher gelesen hast und freue mich auf ein schönes gemeinsames Kräuterjahr mit dir.  


                                   (Vollmond im Löwe)

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